Männer in Todesnähe – ein Buch entsteht

Männer in Todesnähe – ein Buch entsteht

„Männer in Todesnähe- zehn Gespräche am Lebensende“ ist ein dokumentarisches Sachbuch der Diplom-Psychologin Angela Reschke und des Diplom-Biologen Dr. Martin Kreuels, das im Oktober 2019 erscheint. Das Nachwort stammt von Prof. Traugott Roser. Das Buch hat 260 Seiten und kostet 19,90€. Es kann online über https://www.bod.de/buchshop/  bestellt werden. Der Hamburger Hospiz e.V. hat die Entstehung des Buches von Anfang an unterstützt. Die Autorin Angela Reschke engagiert sich seit 1993 für den Verein. Sie berichtet.

EINE BUCHIDEE WIRD GEBOREN

Im Hamburger Hospiz e.V. berichtete Dr. Martin Kreuels 2015 im Vortrag »Männer trauern anders![1]« von seiner Arbeit. Die Resonanz der (weiblichen) Zuhörerschaft war enorm[2] und wir vereinbarten ein gemeinsames Buchprojekt »Männer in Todesnähe«. Denn wann immer es gilt den Tod persönlich und dialogisch zu thematisieren, sei es in der Begleitung Sterbender oder in Trauergruppen, sind Männer deutlich in der Minderheit. Wir wollten dazu beitragen, dass sich Männer stärker in die Hospizbewegung einbringen und stärker von ihr profitieren.

So entschieden wir uns dafür, selbstbewusst durchlebte Erfahrungen von Männern in Todesnähe zu veröffentlichen. Der Abgleich mit der jeweiligen Schlüsselfigur sollte Selbsterkennungsprozesse bei den Leser*innen anstoßen und sie anregen, selbstbewusst, selbstbestimmt und offen zu eigenen Gefühlen, Wünschen und Herangehensweisen zu stehen. Wir wollten Männern ermöglichen, von anderen Männern zu lernen. Der weiblichen Leserschaft hingegen wollten wir zudem neue Perspektiven auf männliches Erleben eröffnen.

DER WEG ZUM BUCH

Martin Kreuels ist aufgrund seiner Medienpräsenz und Bücher bekannt. Ich hingegen konnte regelmäßig meine Kolleg*innen auf mögliche Gesprächspartner ansprechen. Die Presse griff das Thema gut auf, und wir warben mithilfe von Flyern und Messeständen. Wir hatten daher gehofft, zügig etwa 30 interessierte Männer kennenzulernen. Doch es waren mehr als zwei Jahre und eine bundesweite Suche nötig, um schließlich 22 persönliche Gespräche führen zu können.

In den Gesprächen verzichteten wir auf standardisierte Fragen. Wir ließen uns von den Männern führen und betrachteten unsere Gesprächspartner als Experten in eigener Sache. Manche erzählen »nur« eine knappe Stunde, während andere gut drei Stunden berichten.

Die aufgezeichneten Gespräche mussten wir kürzen. In der Bearbeitung haben wir aber die Wortwahl der Gesprächspartner übernommen und Inhalte nicht gedeutet. Dafür leiten wir jedes Gespräch mit einer pointierten Zusammenfassung ein und aus, um die Leser*innen tiefer in die Lebenswirklichkeit der Männer eintauchen zu lassen.

AUFBAU UND GESTALTUNG DES BUCHES

Im Buch veröffentlichen wir zehn Gespräche. Bei der Auswahl haben wir auf Vielfalt, zum Beispiel des Alters, der Diagnose sowie des sozialen Status, geachtet – und natürlich auch darauf, welchen Umfang ein solches Buch verkraften kann.

Einleitend begründen wir ausführlich, warum es dringend geboten erscheint, das männliche Potenzial für die Hospizbewegung zu gewinnen. Wir führen aus, dass nur eine ausgewogenere Geschlechterverteilung den eigenen Anspruch, für alle da, erreichbar und attraktiv zu sein, erfüllt und mehr Vitalität und Innovationen erzielt.

Im letzten Teil argumentieren wir mit einem „Appell an uns Männer“, dass die Zeit für Männer reif ist, ihre Identität neu zu denken und soziale, mitmenschliche Anliegen aktiver mitzugestalten.

Das Nachwort „Aufrecht“ von Prof. Traugott Roser bezieht sich auf den Film „Gladiator“, der scharf männliches Sterben ins Bild rückt. Roser zeigt auf, dass die Erzählungen der Männer ebenfalls von Tugenden, Kampf, Leidenschaft, Wahrhaftigkeit und Heldentum zeugen.

Wir haben uns für eine aufwendige Buchgestaltung mit vielen Fotos entschieden. Diese unterstreichen die Persönlichkeiten unserer Gesprächspartner und ergänzen zudem die Schwere des Themas mit leichten und farbigen Akzenten.

[1] Im Jahr zuvor war sein Buch »Männer trauern anders« erschienen.

[2] Im ausgebuchten Vortrag mit langer Warteliste saßen 60 Frauen und drei Männer